„Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.“

©Nagel&Kimche Verlag

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So wusste schon John Wayne. Und welches Zitat könnte besser passen zu einem Buch, das wie eine moderne Western-Verfilmung der Coen-Brüder anmutet. Ein bisschen „True Grit“ in der Jetztzeit. Ein Buch, in dem wir auf harte Männer treffen, wie man sie sonst heutzutage nur noch in DMAX findet, oder wenn man dem Autor glauben darf in Vermont, New England. Denn hier spielt unser Roman, in einem kleinen verschlafenen Ort, einem kleinen Nest namens Dead River, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und man nicht tot über dem Zaum hängen möchte. Ein Ort, an dem man das Gesetz noch selbst in die Hand nimmt, Männer noch Männer sind, Fremde neugierig beäugt werden und man noch immer als Fremd gilt,  auch wenn man schon in der dritten Generation dort lebt. Ein Ort, an der Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis. Selbst die Drossel ist hier Einsiedler…

Einsiedlerdrossel ©Wikipedia

Einsiedlerdrossel ©Wikipedia

Und inmitten dieser rauen, archaischen Männerwelt treffen wir auf eine junge, hübsche, intelligente Frau – Lillian. Eine Frau in Schwierigkeiten, die Hilfe sucht, ist sie doch ins Visier des örtlichen Bösewichts Blackway geraten. Beobachtet, verfolgt und bedroht findet sie zwar keinen Beistand beim Arm des Gesetztes, hält sich doch Sheriff Wingate liebe diplomatisch zurück, aber Unterstützung in Gestalt eines knurrigen, gebrechlichen Alten, der mit allen Wassern gewaschen scheint, alle Tricks kennt und einem jungen Muskelprotz, dem es aber eindeutig an Intelligenz fehlt. Lester, clever aber lahm und Nate the Great, stark aber dumm – „Männer mit Erfahrung“, wenn man so will. Woran es dem einen mangelt hat der andere und umgekehrt. Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie und macht diesen Neo-Western zu einem wahren Lesevergnügen. Dialogstark in seiner sprachlichen Reduziertheit, raue Männer sind eben keine Menschen der großen Worte, und als Kulisse eine atemberaubende, archaische Naturlandschaft: Die Wälder Neuenglands, des Green Mountain State, einer ebenso schönen wie ursprünglichen Gegend, in der man sich vortrefflich verstecken kann und Menschen spurlos verschwinden.

Hier ist nun also unser wahrlich skurriles und ungleiches Trio unterwegs um einem Bösewicht den Gar auszumachen. Echte Kerle und eine mutige junge Frau Durchleben eine spannende Abenteuergeschichte. Kommentiert wird die Handlung von Lester und Nates Freunden, die sich regelmäßig im Büro des alten Whizzer, des örtlichen Sägewerkbesitzers, treffen und schon Wetten abschließen ob das Trio wohlbehalten wieder zurückkommen wird. Eine Art Klub für Eingeweihte.

Soweit das Setting.

„Männer mit Erfahrung“ ist ein moderner Western, voller kauziger Figuren, die einem schnell ans Herz wachsen. Ein Buch, das von seinen pointierten Dialogen (die den Großteil der rund 170 Seiten ausmachen) und seinem knochentrockenen Humor lebt. Reduziert auf das Wesentliche, hier ist absolut kein Wort zu viel, lebt dieses Buch von seiner geradezu kongenialen Absurdität und der Verschrobenheit seiner Protagonisten.

Es fließt nicht viel Blut, es fliegt nicht viel Blei, es werden nicht viele Fäuste geschwungen – aber in seiner Einfachheit kommt dieser Neo-Western doch äußerst wirkungsvoll daher.

Der altbewehrte Kampf Gut gegen Böse in Neuauflage. Mehr Gespräche als Schüsse. Mehr Dialoge als fliegende Kugeln. Eine obskure Verfolgungsjagd durch die dunklen Wälder Vermonts, kommentiert von einer kauzigen Runde eigensinniger Eigenbrötler. Ein Buch, bei dem alles auf einen großen Showdown hinausläuft und zu dem am besten ein guter alter Whiskey oder ein Bier passt – ein Getränk für hartgesottene Männer eben.

„Männer mit Erfahrung“ ist das erste Buch von Castle Freeman, das auf Deutsch erscheint und gleich ganz großes Kino, wie es nur die wenigsten beherrschen. So wundert es auch nicht, dass dieses Buch bereits unter der Regie des Schweden Daniel Alfredson in Hollywood verfilmt wurde. In den Hauptrollen unter anderem Julia Stiles, Anthony Hopkins und Ray Liotta. Den amerikanischen Trailer findet ihr hier:

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In Deutschland steht der offizielle Kinostart noch nicht fest, aber bis dahin kann man ja getrost auf das Buch zurückgreifen.

Infos zum Buch:

Roman
übersetzt von Dirk van Gunsteren

Erscheinungsdatum: 22.02.2016
176 Seiten
Nagel & Kimche
Fester Einband
ISBN 978-3-312-00687-8
ePUB-Format
ISBN 978-3-312-00693-9

unverb.Preis: EUR 18,90 (D)

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