Wenn‘s auch einmal etwas skurriler sein darf….

©Blumenbar - Imprint des Berliner Aufbau-Verlags

©Blumenbar – Imprint des Berliner Aufbau-Verlags

Ein junger Zukunftsforscher, Ariel Panik, auf dem Weg von Boston nach Amsterdam. Dort wartet nicht nur ein Kongress über künstliche Intelligenz auf ihn, sondern auch seine Studentin und Geliebte Zeva. Beide freuen sich auf ein Wochenende voller Liebe, Abenteuer und Erwartungen. Doch dann geht etwas schief und während Zeva ungeduldig auf Ariel in Amsterdam wartet, landet dieser unverhofft in einer stürmisch, nebligen Nacht im Küstenhotel „The Cliffs“ – einem Ort, einsam und abgeschnitten von der Außenwelt. Schnell merkt Ariel, mit dem Hotel und seinen skurrilen Gästen stimmt etwas ganz und gar nicht.

„Du musst nicht verrückt sein, um hier zu arbeiten, aber es hilft.“ (S. 25)

Eine abenteuerliche Schauergeschichte. Zunächst verwirrend, dann erhellend, aber auf jeden Fall unterhaltsam zu lesen. Eine Geschichte, nicht unspannend, bei der am Ende keine Fragen mehr offen bleiben. Wäre das Buch ein Wein, so könnte man es am besten wohl so beschreiben: Interessante Nase, zunächst etwas verwirrend am Gaumen, überraschender Höhepunkt und kurz aber rund im Abgang.

Blick ins Buch

Blick ins Buch

Ja, diese Geschichte ist sicherlich nicht jedermanns Sache, etwas skurril und absonderlich kommt sie im Gewand eines Theaterstücks daher. Auch der Vergleich mit der altehrwürdigen Agatha Christie auf dem Buchrücken hinkt etwas, wie ich finde, aber dennoch gelingt DBC Pierres hier etwas außergewöhnliches, er stellt einem rational denkendem, fest auf dem Boden der Tatsachen verankerten Technikfreak eine Horde scheinbar Verrückter gegenüber und das Ganze ohne die Möglichkeit eines Ausweges. Handy, Computer, einfach alles ist tot, abgeschnitten von der Außenwelt, der Mensch reduziert auf sich selbst und den direkten, kleinen Kosmos, der ihn umgibt. Ein Schelmenstück auf das moderne digitale Zeitalter, in der Google und Co immer eine Antwort parat haben, scheinbar alles mit den Mitteln der Logik erklärbar ist und in der das Handy immer noch als letzter logischer Ausweg bleibt. Was wenn die Quanten einmal nicht auf Empfang stehen, das System einen Riss erfährt und man einfach so mir nichts dir nichts aus der Zeit und dem Raster fällt?

„Technologie ist der Weg, die Wahrheit und das Leben….“ (S. 179)

…doch was wenn sie einfach einmal versagt!?!

Eine Persiflage auf alles, was uns heute so wichtig und unentbehrlich erscheint, die zwar Krimielemente enthält, aber seine Nähe zur modernen Schauergeschichte à la Roald Dahl nicht ganz verleugnen kann. Verrückt zu lesen, schnell konsumierte, aber sicherlich nicht schnell vergessen.

Sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber für Freunde skurriler Literatur durchaus empfehlenswert.

Blick auf den Buchrücken

Blick auf den Buchrücken

Zur Person

 

DBC Pierre, im wahren Leben Peter Warren Finlay, Rufname Pierre, wurde als Sohn eines britischen Genetikers 1961 in Australien geboren. Wenige Jahre später siedelte die Familie nach Mexiko City um, wo sich der Heranwachsende wilden Partys, illegalen Autorennen und Drogenexperimenten hingab. Nach dem Tod seines Vaters verbrachte er seine Zeit mit einem ehrgeizigen, aber nie verwirklichten Filmprojekt sowie als Schatzsucher, Fotograf und Schmuggler. Nachdem man eine narzisstische Persönlichkeitsstörung festgestellt hatte, begann er Anfang der 90er eine Therapie. DBC steht für „dirty but clean“. Für seinen Debütroman „Jesus von Texas“ wurde er 2003 mit dem Booker Preis ausgezeichnet. Finlay lebt und arbeitet heute in Irland.

 

Daten zum Buch:

Translated by Max Stadler
Gebunden mit ausklappbarem Vorsatz, 224 Seiten
Blumenbar
978-3-351-05026-9

18,00 € *) Inkl. 7% MwSt

6 Gedanken zu „Wenn‘s auch einmal etwas skurriler sein darf….

  1. Habe das Buch auch grade erst gelesen und muss sagen, dass „skurril“ es wirklich am besten trifft. So ganz anfreunden konnte ich mich mit der Geschichte nicht, aber das Ende hat es auf jeden Fall rausgeholt. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.

    Viele Grüße
    Britta

  2. Hey,
    dieses Buch ist direkt mal auf meine Wunschliste gewandert. Für etwas skurriles bin ich zwischendurch immer mal zu haben. Außerdem hat das Cover irgendwas geheimnisvolles das mich anzieht. Ich glaube da hat jemand sein Ziel erreicht.

    Rena

  3. Liebe Buchlotsin, ich werde dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben und habe es gerade auf meine Wunschliste gesetzt. Ab und zu gefallen mir skurrile Bücher ja doch ganz gut und ich bin gespannt, ob mir diese Mischung hier zusagen wird 🙂 Allein der Lebenslauf des Autors ist ja schon lesenswert.

    • Ja, zwischendurch lese ich auch gerne skurril. Freue mich, dass ich Dich neugierig machen konnte und bin nun gespannt darauf, wie Dir das Buch gefällt. Ja, der Lebenslauf des Autors allein ist schon ungewöhnlich.
      Ganz liebe Grüße und ich wünsche Dir noch ein schönes Restwochenende, Heike

  4. Es hört sich auf jeden Fall interessant an. Aber wenn es wie ein Theaterstück geschrieben ist, dann ist es nichts für mich. Theater gehört auf die Bühne, damit komme ich beim Lesen nicht zurecht.

    Liebe Grüße,
    Nicole

Kommentar verfassen