„Bella Germania“ – von Wurzeln, Heimat und der Liebe

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Dass der gebürtige Münchner Daniel Speck Drehbücher schreiben kann, das wissen wir spätestens seit er 2007 den Grimme-Preis für sein Drehbuch zu „Meine verrückte türkische Hochzeit“ erhielt. Dass er sich aber auch literarisch auf durchaus sicherem Terrain bewegt, beweist er uns nun mit seinem Debüt-Roman „Bella Germania“ auf eindrucksvolle Art und Weise. Weiterlesen

Über den kunstvollen Umgang mit Wahrheit und Fiktion

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2013 erschien Delphine de Vigans Buch „Das Lächeln meiner Mutter“. Ein autofiktionaler Roman, indem sich die Autorin mit dem Freitod der eigenen, Zeit ihres Lebens an Depressionen leidenden, Mutter auseinandersetzte. Ein sehr persönliches Buch, welches in Frankreich und auch in Deutschland zu einem Riesenerfolg wurde. Und wie ja allgemein bekannt sein dürfte zieht ein solcher Erfolg natürlich ein enormes mediales Echo nach sich. Eine Pressekonferenz jagt die andere, Buchmessen, Lesungen, Signierstunden, Radio- und Fernseheinladungen. Doch was kommt nach dem Erfolg? Wenn sich so langsam alles wieder etwas beruhigt? Das nächste Buch, ist man versucht so ganz locker zu sagen. Nach dem Roman ist vor dem Roman, oder so ähnlich. Doch was, wenn man dem Erwartungsdruck nicht standhalten kann? Nicht dem eigenen und schon gar nicht dem der Leser? Wenn man sich selbst mit der Frage konfrontiert sieht, was nach einem solch intimen Buch, nach so viel Wahrheit, überhaupt noch folgen kann? Noch mehr Wahrheit, die reine Wahrheit oder kann man einfach so wieder zur reinen Fiktion übergehen? Weiterlesen

„The Girls“ von Emma Cline – Selten hat mich ein Buch so zwiegespalten zurückgelassen?

©Hanser

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Eine Geschichte erzählt aus der Rückschau

Emma Cline erzählt uns in ihrem Erstlingswerk die Geschichte der Evie Boyd. Evie steht in der Mitte ihres Lebens, als wir ihr das erste Mal begegnen. Sie ist alleinstehend, abgebrannt, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben und wohnt zurückgezogen in dem Haus eines Freundes. Als dessen Sohn Julian und seine Freundin Sasha in ihre Einsamkeit einbrechen fühlt sie sich erinnert an ihre eigene Jugend. An jenen Sommer vor so vielen Jahren der ihr Leben für immer verändern sollte. Weiterlesen

Der Letzte des jeweils anderen sein – Ein Buch, nicht nur für einen Tag am Meer

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Zu Grégoire Delacourts Romanen greife ich ja hier und da mal recht gerne. Versprechen sie doch zuverlässig ein sinnliches, intensives und wundervoll poetisches Lesevergnügen. Auch wenn die jeweiligen Cover teilweise über den Inhalt etwas hinwegtäuschen. So auch in diesem Fall. Denn das Cover, obwohl unzweifelhaft sehr schön gestaltet und sehr passend zu Titel und Handlungsort, kann doch den unvorbelastet zu Delacourt greifenden Leser etwas in die Irre führen und ihn fälschlicherweise eine locker, leichte und spritzige Sommerlektüre erwarten lassen. Doch dies, locker und leicht, sind die Bücher, des 1960 in Valenciennes, im Norden Frankreichs, geborenen Autor, gerade nicht. Vielmehr stimmen seine Texte zutiefst nachdenklich und berühren den Leser in ihrer sprachlichen Schönheit, die sich zugegeben manchmal gefährlich dem Randes des Kitsches nähert, aber eben nur nähert. Weiterlesen

Achtung Sommerbuchtipp!

„Librarte“ darf nicht sterben! ©ThieleVerlag

„Librarte“ darf nicht sterben! ©ThieleVerlag

Der Sommeranfang ist am 21. Juni 2016. Astronomisch beginnt der Sommer mit der Sommersonnenwende: dem Zeitpunkt, zu dem die Sonne senkrecht über dem Wendekreis steht und die Tage am längsten sind. Auf der Nordhalbkugel geschieht dies am 21. Juni. Auch wenn das Wetter wie so oft nicht viel davon zu bemerken scheint, so sollte doch zumindest in meinem Bücherregal der Sommer einziehen. Was liegt da näher, als ein sommerlicher Roman. Magisch angezogen vom wunderschön fröhlichen Cover von „Die schönste Art, sein Herz zu verlieren“ lag in dieser Stimmung der Griff zu diesem Buch natürlich nahe. Bunte Blätter und Blüten laden geradezu zum Verweilen ein, also nichts wie das Buch gekauft, eingepackt und ab auf die Couch. Weiterlesen

„Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.“

©Nagel&Kimche Verlag

©Nagel&Kimche Verlag

So wusste schon John Wayne. Und welches Zitat könnte besser passen zu einem Buch, das wie eine moderne Western-Verfilmung der Coen-Brüder anmutet. Ein bisschen „True Grit“ in der Jetztzeit. Ein Buch, in dem wir auf harte Männer treffen, wie man sie sonst heutzutage nur noch in DMAX findet, oder wenn man dem Autor glauben darf in Vermont, New England. Denn hier spielt unser Roman, in einem kleinen verschlafenen Ort, einem kleinen Nest namens Dead River, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und man nicht tot über dem Zaum hängen möchte. Ein Ort, an dem man das Gesetz noch selbst in die Hand nimmt, Männer noch Männer sind, Fremde neugierig beäugt werden und man noch immer als Fremd gilt,  auch wenn man schon in der dritten Generation dort lebt. Ein Ort, an der Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis. Selbst die Drossel ist hier Einsiedler… Weiterlesen

Ein wundervolles, kluges Essay und zugleich eine literarische Liebeserklärung an den lokalen Buchhandel!

©Atlantik-Verlag

©Atlantik-Verlag

 

Zugegeben, ganz so schlecht wie in den USA ergeht es unserem Buchhandel in Deutschland noch nicht. Dies mag an der fehlenden Buchpreisbindung in den Staaten liegen, die es Amazon und Co. erlauben, mit Dumpingpreisen den stationären Buchhandel unter Druck zu setzten. Aber auch hierzulande sind die Umsatzzahlen eher rückläufig. Vor allen Dingen die kleinen, unabhängigen Buchläden tun sich schwer.

So erging es auch den unabhängigen Buchläden in Nashville, der Heimatstadt der bekannten US-amerikanischen Schriftstellerin Ann Patchett und genau hier beginnt ihre Geschichte.

©Atlantik-Verlag „Aus Liebe zum Buch“ Ann Patchett

©Atlantik-Verlag „Aus Liebe zum Buch“ Ann Patchett

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Wenn‘s auch einmal etwas skurriler sein darf….

©Blumenbar - Imprint des Berliner Aufbau-Verlags

©Blumenbar – Imprint des Berliner Aufbau-Verlags

Ein junger Zukunftsforscher, Ariel Panik, auf dem Weg von Boston nach Amsterdam. Dort wartet nicht nur ein Kongress über künstliche Intelligenz auf ihn, sondern auch seine Studentin und Geliebte Zeva. Beide freuen sich auf ein Wochenende voller Liebe, Abenteuer und Erwartungen. Doch dann geht etwas schief und während Zeva ungeduldig auf Ariel in Amsterdam wartet, landet dieser unverhofft in einer stürmisch, nebligen Nacht im Küstenhotel „The Cliffs“ – einem Ort, einsam und abgeschnitten von der Außenwelt. Schnell merkt Ariel, mit dem Hotel und seinen skurrilen Gästen stimmt etwas ganz und gar nicht.

„Du musst nicht verrückt sein, um hier zu arbeiten, aber es hilft.“ (S. 25)

Eine abenteuerliche Schauergeschichte. Zunächst verwirrend, dann erhellend, aber auf jeden Fall unterhaltsam zu lesen. Eine Geschichte, nicht unspannend, bei der am Ende keine Fragen mehr offen bleiben. Wäre das Buch ein Wein, so könnte man es am besten wohl so beschreiben: Interessante Nase, zunächst etwas verwirrend am Gaumen, überraschender Höhepunkt und kurz aber rund im Abgang. Weiterlesen

Kreuzfahrt von Mireille Zindel

"Kreuzfahrt" von Mireille Zindel

„Kreuzfahrt“ von Mireille Zindel

Mireille Zindels neuestes Buch ist eine Geschichte über das Leben, die Liebe und das Spiel mit den Möglichkeiten, die diese beiden Themen bieten.

Ein Buch, das auf eindrucksvolle Art und Weise aufzeigt, dass man auch in der Zweisamkeit durchaus einsam sein kann, der Preis einer neuen Liebe hoch ist und dauerhafte Liebe nicht nur Vergnügen, sondern auch harte immerwährende Arbeit bedeutet. Weiterlesen